Auf Aminosäuren-Produkten stehen drei Worte, die klingen, als würden sie eine Rangfolge beschreiben: essentiell, semi-essentiell, nicht-essentiell. Genau so werden sie auch meistens gelesen: wichtig, halb wichtig, unwichtig.
Das ist ein Missverständnis, und es lohnt sich, es aufzulösen, weil danach jede Zutatenliste anders aussieht.
Die Einteilung beschreibt Herkunft, nicht Bedeutung
Alle zwanzig Aminosäuren, aus denen unsere Proteine bestehen, werden gebraucht. Ohne eine einzige davon läuft nichts. Die Einteilung sagt nur, woher sie kommen müssen.
- Essentiell heißt: Der Körper kann sie nicht selbst herstellen. Sie muss über die Nahrung hereinkommen. Das sind neun: Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan, Valin.
- Nicht-essentiell heißt: Der Körper kann sie aus anderem Material selbst aufbauen. Dazu gehören zum Beispiel Alanin, Asparagin und Glycin.
- Semi-essentiell heißt: Normalerweise kann der Körper sie bilden, unter bestimmten Bedingungen reicht die Eigenbildung aber nicht aus. Hierher gehören unter anderem Glutamin, Arginin und Cystein.
Warum semi-essentiell die interessanteste Kategorie ist
Die Einordnung ist keine feste Eigenschaft des Moleküls, sondern hängt vom Zustand des Menschen ab. Bei Kindern im Wachstum, in Phasen starker körperlicher Belastung oder bei bestimmten Erkrankungen kann eine sonst unkritische Aminosäure zeitweise zur kritischen Größe werden.
Fachlich heißt das bedingt essentiell. Die Bedingungen, unter denen das gilt, sind je nach Stoff unterschiedlich gut beschrieben, und genau an dieser Stelle wird in der Werbung gerne verallgemeinert. Wir tun das nicht: Was daraus für eine einzelne Person folgt, ist eine medizinische Frage und keine, die ein Onlineshop beantwortet.
Was auf der Packung steht und was nicht
Die Einteilung selbst ist eine sachliche Information über den Stoff und darf genannt werden. Was nicht genannt werden darf, ist eine Wirkung, solange es dazu keine zugelassene Aussage gibt. Für die meisten Einzelaminosäuren gibt es keine.
Deshalb findest du auf unseren Seiten immer dieselben vier Angaben: was der Stoff ist, ob der Körper ihn selbst bilden kann, in welchen Lebensmitteln er vorkommt und wie man das Pulver einnimmt. Mehr ist rechtlich nicht drin, und alles darüber hinaus wäre geraten.
Die praktische Konsequenz
Wer ausreichend Protein isst, bekommt alle zwanzig mit, und zwar in dem Verhältnis, in dem sie im jeweiligen Lebensmittel vorliegen. Vollständige Proteinquellen wie Ei, Milchprodukte, Fleisch, Fisch und Soja liefern alle essentiellen in brauchbarer Menge.
Einzelne Aminosäuren als Pulver sind deshalb kein Grundnahrungsmittel, sondern ein Werkzeug für Menschen, die aus eigenen Gründen eine bestimmte davon gezielt zuführen möchten. Diese Gründe kennen sie selbst am besten.
Was wir nicht wissen
Wo genau die Grenze zwischen ausreichender Eigenbildung und Bedarf aus der Nahrung liegt, ist bei den semi-essentiellen Aminosäuren nicht für jede Situation geklärt. Die Forschung dazu ist heterogen, und die Ergebnisse aus klinischen Situationen lassen sich nicht ohne Weiteres auf gesunde Menschen übertragen.
Das passende Produkt
L-Glutamin, 300 g
Semi-essentielle Aminosäure als reines Pulver, eine Zutat. Sehr gut löslich, neutral bis leicht süßlich im Geschmack, funktioniert auch in reinem Wasser.



