Vor dem Verkauf prüft niemand: was ein Analysenzertifikat ist und wie man es liest

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass ein Nahrungsergänzungsmittel geprüft wurde, bevor es verkauft werden darf. Das ist die naheliegende Annahme, und sie ist falsch.

Was tatsächlich passiert, bevor ein Produkt in den Handel kommt

In Deutschland muss ein Nahrungsergänzungsmittel vor dem ersten Inverkehrbringen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt werden. Der Hersteller schickt das Etikett ein, das Produkt wird registriert, die Anzeige geht an die Überwachungsbehörden der Länder weiter.

Das war es.

Das Bundesamt bewertet nicht, prüft nicht und lässt nicht zu. Es hat 2025 selbst eine Pressemitteilung mit genau dieser Klarstellung veröffentlicht, weil die Verwechslung von Anzeige und Zulassung so verbreitet ist. Für die gesundheitliche Unbedenklichkeit ist allein der Lebensmittelunternehmer verantwortlich, also der Hersteller oder der Händler.

Kontrolliert wird danach, stichprobenartig, durch die Lebensmittelüberwachung der Länder. Also nach dem Verkaufsstart, nicht davor.

Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz: Ob in einer Dose das drin ist, was auf der Dose steht, hängt an dem, der sie füllt. Nicht an einer Behörde.

Damit stellt sich die einzige Frage, die beim Kauf wirklich zählt: Woran erkennt man von außen, ob jemand seine Rohstoffe prüft?

Das Analysenzertifikat

Das Dokument, um das es geht, heißt Analysenzertifikat, oft abgekürzt als CoA für Certificate of Analysis. Jeder seriöse Rohstofflieferant legt es jeder Charge bei. Es ist kein Werbematerial, sondern ein Prüfbericht: Hier ist der Stoff, hier ist die Spezifikation, hier ist das Messergebnis, hier ist die Methode.

Ein Analysenzertifikat ist immer nach demselben Muster aufgebaut:

  • Kopf: Stoffbezeichnung, Chargennummer, Herstelldatum, Mindesthaltbarkeit, Menge
  • Prüftabelle: je Zeile ein Parameter mit Spezifikation, Ergebnis und Prüfmethode
  • Fuß: Labor, Datum, Unterschrift oder Freigabevermerk

Die Prüftabelle enthält typischerweise vier Gruppen:

  1. Identität. Ist der Stoff tatsächlich der Stoff? Geprüft etwa über Infrarotspektrum oder spezifische Drehung.
  2. Gehalt und Reinheit. Wie viel Prozent Wirksubstanz, wie viel Restfeuchte, wie viel Sulfatasche.
  3. Schwermetalle. Blei, Cadmium, Quecksilber, Arsen. Für diese Werte gibt es gesetzliche Höchstgehalte.
  4. Mikrobiologie. Gesamtkeimzahl, Hefen und Schimmel, E. coli, Salmonellen.

Die vier Zeilen, auf die es ankommt

Ein Analysenzertifikat hat schnell zwanzig Zeilen. Vier davon entscheiden, ob das Dokument etwas wert ist:

1. Die Chargennummer. Sie ist die einzige Verbindung zwischen dem Papier und dem Beutel in deiner Hand. Ein Zertifikat ohne Chargennummer, oder eines, dessen Nummer nicht zu deinem Produkt passt, belegt nichts. Es zeigt, dass irgendwann irgendetwas geprüft wurde.

2. Das Datum. Zertifikate gehören zu einer Charge, nicht zu einem Produkt. Ein Dokument von 2019 sagt nichts über die Ware von heute.

3. Die Spalte mit der Methode. Steht bei einem Ergebnis keine Prüfmethode, ist die Zahl nicht nachvollziehbar. Bei Schwermetallen ist die übliche Methode ICP-MS. Diese Spalte trennt einen Prüfbericht von einer Behauptung.

4. Die Zeile „bestanden“ ohne Zahl. Gute Zertifikate nennen den Messwert und die Spezifikation, also zum Beispiel „Blei: 0,08 mg/kg, Spezifikation max. 0,5 mg/kg“. Steht dort nur „entspricht“ oder „konform“, fehlt genau die Information, wegen der man das Dokument liest.

Wo die Grenzen liegen

Ein Analysenzertifikat vom Lieferanten sagt etwas über den Rohstoff aus, der geliefert wurde. Es sagt nichts über den Beutel, der bei dir ankommt.

Dazwischen liegt die Produktion. Wurde die richtige Charge verwendet? Wurde richtig gewogen? Ist beim Mischen etwas hineingeraten, was nicht hineingehört? Ein Zertifikat kann diese Fragen nicht beantworten, und wer damit wirbt, als könnte es das, überdehnt es.

Deshalb ist der entscheidende Schritt nicht das Papier des Lieferanten, sondern die eigene Gegenprobe: Der Hersteller zieht selbst eine Probe aus der gelieferten Charge und lässt sie unabhängig prüfen, bevor der Rohstoff überhaupt in die Produktion geht. Erst dann ist das Zertifikat mehr als ein Dokument, das mit der Ware mitgereist ist.

Genau so arbeiten wir. Jede Lieferung wird bei uns beprobt, die Probe geht ins Labor, und erst nach einem sauberen Ergebnis wird die Charge freigegeben. Kommt sie nicht sauber zurück, geht der Rohstoff zurück zum Lieferanten. Das ist teuer und es kommt vor.

Was wir nicht wissen

Auch eine Gegenprobe prüft nicht auf alles. Sie prüft auf das, was in der Spezifikation steht. Ein Stoff, nach dem niemand sucht, wird auch nicht gefunden, und die bekannten Fälle von verunreinigten Produkten in dieser Branche waren fast immer Fälle, in denen der problematische Stoff gar nicht Teil des Prüfumfangs war.

Wer etwas anderes behauptet, verkauft Sicherheit, die es so nicht gibt. Was ein guter Prüfprozess leistet, ist die Reduktion eines Risikos, nicht seine Beseitigung.

Fünf Fragen, die jeder Anbieter beantworten können sollte

Kopiere sie in eine E-Mail. Die Antwortzeit ist Teil der Antwort.

  1. Können Sie mir das Analysenzertifikat zu der Charge schicken, die ich bekommen habe?
  2. Ziehen Sie eigene Proben aus der Lieferung, oder verlassen Sie sich auf das Zertifikat des Lieferanten?
  3. Auf welche Schwermetalle wird geprüft und mit welcher Methode?
  4. Wo wird abgefüllt, und nach welchem Standard?
  5. Was passiert bei euch mit einer Charge, deren Ergebnis nicht stimmt?

Wer auf Frage 1 kein Dokument schicken kann, hat vermutlich keines. Wer auf Frage 5 ausweichend antwortet, hat den Fall noch nie gehabt oder ihn anders gelöst als beschrieben.


Unsere Produkte

Bei uns wird jede Rohstofflieferung beprobt, bevor sie in die Produktion geht. Zu jedem Produkt findest du die Analyse direkt auf der Produktseite.

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